Kryptogramme der Moderne – Hofoperndirektor Gustav Mahler

Als Dirigent und Operndirektor (1897-1907) der Tradition verpflichtet, reflektiert Mahlers kompositorisches Schaffen wie kaum ein zweites den Kulturschock, die Fragmentierung, die Komplexität der Moderne. Seine tonalen Akkorde, sollte Theodor Adorno 1960 in seiner Wiener Rede anlässlich Mahlers 100. Geburtstag anmerken, sind so etwas wie Kryptogramme der Moderne, Schmerzensschreien des entfremdeten Individuums gleich. Die Idee einer in sich geschlossenen, gleichsam systematischen Musik, deren ästhetischer Schein sich zu einem sinnstiftenden Ganzen fügt, hat er radikal verworfen. 

Mahlers Abkehr von der Autonomie des geschlossenen klassischen Systems, sein spezifischer Weg in die Nach-Klassik erfolgte allerdings und vor allem auch über die Einführung eines dem Alltagsleben, dem Popularen entlehnten musikalischen Vokabulars: Walzer, Tänze, Märsche, jiddische und böhmische Lieder. Der zeitgenössische Enthusiasmus für die Strauß-Operette wurde von ihm bedingungslos geteilt (so wurde 1899 seine Hamburger Fledermaus in das Repertoire des Wiener Hauses aufgenommen). Es ist sein österreichisches Idiom, auf das Mahler zurückgreift, und noch im abgeklärten Spätwerk klingt dieser Ton an, so im Totentanz der Neunten als Reminiszenz eines Ländlers. Der Kunstmusik wird die populare Tradition, das Volkslied eingepasst, und doch durchzieht das gesamte oeuvre das Ambivalente, das Vieldeutige, das Gebrochene jenes letzten Scherzos. Mahler, der die symphonische Idee vollendete und sie zugleich auflöste, ist ein Komponist der Abweichung. Seine musikalische Sprache ist gebrochen, verstörend, zersetzt die tradierten Ordnungen des Ästhetischen mit den Mitteln des Traditionellen. 

Mahler war als jüdisches Kind im mährischen Iglau in einer Welt des aufblühenden Liberalismus, der Aufbruchsstimmung allgemeiner Emanzipation aufgewachsen. Seine wesentliche intellektuelle Sozialisierung aber erfuhr er ab Mitte der 1870er Jahre in Wien, als Angehöriger einer sich formierenden, anti-liberalen studentischen Gegenkultur, dem nach dem späteren sozialdemokratischen Reichsratsabgeordneten und Kunstkritiker so bezeichneten Pernerstorfer-Kreis. Man traf sich im Ramharterschen Vegetarischen Restaurant, und neben Mahler gehörten der Gruppierung der junge Hermann Bahr und Hugo Wolf an, ferner der exzentrisch-sensible Poet Siegfried Lipiner, Victor Adler, der „Hofrat der Revolution“, die nachmaligen Staatspräsidenten Thomas Masaryk und Michael Hainisch, schließlich Lilly von Gizycki, die in der deutschen Frauenbewegung, sowie Heinrich und Adolf Braun, die in der deutschen Arbeiterbewegung eine herausragende Rolle spielen sollten. Mahlers eng miteinander verbundene Symphonien der Wunderhornjahre (Eins bis Vier) allerdings gemahnen in ihrer bisweilen programmmusikalischen Deutlichkeit nachhaltig an die Formationsphase seiner Wiener Studienzeit. Insbesondere seine Dritte und Vierte Symphonie – in denen er das Idiom eines popularen Realismus mit der Rezeption antirationalistischer Philosophie synthetisierte – wurden zum musikalischen Manifest der Haltungen und Intentionen jener studentischen Subkultur, der er in jungen Jahren angehört hatte. Aus der Krise des Liberalismus geboren, waren gegenkulturelle Bewegungen wie diese gleichsam zum Vorschein für dessen nahendes Ende geworden. 

Der späte Mahler hat dann in seinem kompositorischen Werk radikale Schnitte gesetzt, so etwa hin zum hedonistischen Ästhetizismus und zur katholisch-sinnlichen Mystik. Mit der schmucklosen Ökonomie, der puritanischen Klangaskese des Lieds von der Erde und der Kindertotenlieder unternahm er eine weitere, nicht minder radikale Wendung, was ihn zum verehrten Vorbild der Zweiten Wiener Schule um Schönberg, Berg und Webern werden ließ. Diese komplexen Wandlungen, denen letztlich doch ein einigendes Prinzip zugrunde liegt, reflektieren eine enorme Kapazität zur Ineinander-Führung der großen Pole der österreichischen Kultur (deutsch/nicht-deutsch, katholisch/jüdisch, elitär/popular); sie reflektieren andererseits Mahlers spezifische Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Identität, seinem dreifachen „Fremdsein“ (als Böhme unter Österreichern, als Österreicher unter Deutschen, als Jude in der Welt). In seinen heimatlosen, gebrochenen Symphonien kündigt sich eine neue, polyphone musikalische Sprache an, der letzte Satz der Neunten (und letzten vollendeten) gilt, wie Adorno festgehalten hat, als der erste der Neuen Musik.

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Theaterzettel zur Aufführung der Operette "Die Fledermaus" im k.k. Hofoperntheater 1901, 25.12.1901

AT-OeStA/HHStA SB Sammlung Wagner Theaterzettel 1-30-2

Die Aufführung der "Fledermaus" im k.k. Hofoperntheater wurde vom Pensionsinstitut der Hoftheater veranstaltet und fand mittags um 1 Uhr statt. Gabriel von Eisenstein wurde von Herrn Schrödter verkörpert, Rosalinde wurde von Frau Förster-Lauterer gespielt.

Die Aufführung der "Fledermaus" im k.k. Hofoperntheater wurde vom Pensionsinstitut der Hoftheater veranstaltet und fand mittags um 1 Uhr statt. Gabriel von Eisenstein wurde von Herrn Schrödter verkörpert, Rosalinde wurde von Frau Förster-Lauterer gespielt.

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Eine Aufführung der Operette "Die Fledermaus" in der Hofoper, 08.06.1899

AT-OeStA/HHStA HA Oper Band 129

Unter Gustav Mahler als Hofoperndirektor wurde am 9. Juni 1899 die Operette "Die Fledermaus" als Gedächtnisfeier für Johann Strauss aufgeführt.

Unter Gustav Mahler als Hofoperndirektor wurde am 9. Juni 1899 die Operette "Die Fledermaus" als Gedächtnisfeier für Johann Strauss aufgeführt.

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Aufführung der "Fledermaus" in der Hofoper, 06.08.1899

AT-OeStA/HHStA HA Oper 144, Zl. 446/1899

Der Direktionssekretär des k.k. Hofoperntheaters, Alois Przistaupinsky, berichtet von Verhandlungen über die Aufführungsrechte von "Eine Nacht in Venedig" und der "Fledermaus". Diese waren von Johann Strauss an Alexandrine von Schönerer, Direktorin des Theaters an der Wien, übertragen worden. Nach Gesprächen zwischen Anwalt Dr. Perig und Direktionssekretär Przistaupinsky sowie Hofrat Dr. Eduard Wlassack, Kanzleidirektor der Generalintendanz der beiden Hoftheater, konnten im August 1899 zu Gunsten des Familienfonds der Habsburger zehn Abendvorstellungen in der Hofoper gegeben werden.

Der Direktionssekretär des k.k. Hofoperntheaters, Alois Przistaupinsky, berichtet von Verhandlungen über die Aufführungsrechte von "Eine Nacht in Venedig" und der "Fledermaus". Diese waren von Johann Strauss an Alexandrine von Schönerer, Direktorin des Theaters an der Wien, übertragen worden. Nach Gesprächen zwischen Anwalt Dr. Perig und Direktionssekretär Przistaupinsky sowie Hofrat Dr. Eduard Wlassack, Kanzleidirektor der Generalintendanz der beiden Hoftheater, konnten im August 1899 zu Gunsten des Familienfonds der Habsburger zehn Abendvorstellungen in der Hofoper gegeben werden.

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Brief Gustav Mahlers an Richard Strauss, 22.09.1905

AT-OeStA/HHStA HA Oper 192, Zl. 1019/1905

Gustav Mahler teilt Richard Strauss in diesem Schreiben die Entscheidung der Zensurbehörde mit, die Zulassung des Textbuchs der Oper "Salome" zu verbieten. Gleichzeitig bedauert er, dass dadurch eine Aufführung der Oper nicht möglich sei.

Gustav Mahler teilt Richard Strauss in diesem Schreiben die Entscheidung der Zensurbehörde mit, die Zulassung des Textbuchs der Oper "Salome" zu verbieten. Gleichzeitig bedauert er, dass dadurch eine Aufführung der Oper nicht möglich sei.

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