Eine unvollendete Metropole

Die bürgerliche Revolution des Jahres 1848 ist in Österreich, wie in Deutschland, gescheitert. In zumindest einer Hinsicht aber waren die Auswirkungen unmittelbar, konkret und für die weitere Entwicklung der (wenigen) industrialisierten Enklaven der Monarchie höchst folgenreich. 

Die Revolution der Stadt, die Erhebung der urbanen Unterschichten brachte dem Dorf die politische Befreiung. Konterrevolution und Neoabsolutismus konnten die städtische Revolution nur niederwerfen, indem sie deren Errungenschaften für das flache Land garantierten. Die liberale Mobilisierung des Bodens und die damit zusammenhängende fortschreitende Realteilung, die soziale Differenzierung der Bauernschaft, der Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten im Gefolge der Spekulationskrise 1873, Überschuldung und faktische Erschöpfung der Kreditversorgung verdichteten sich allerdings schnell zu einem umfassenden Krisenszenario, das seinerseits in eine bis zur Jahrhundertwende stetig anwachsende Wanderungsbewegung mündete: Wie den Bodenbesitz hatte die Revolution von 1848 die Menschen mobilisiert und zu einer demographischen Dynamik geführt, die mit dem gestiegenen „Humankapitalbedarf“ expandierender urbaner und industrieller Ballungsräume zusammentraf. Dorfproletariat, Dorfarmut, ländliche „Überschussbevölkerung“ überhaupt wurden zum Hauptreservoir eines kolossalen Stroms der Nah- und Binnenwanderung, der vor allem die rasch expandierende, boomende Reichshaupt- und Residenzstadt belieferte. 

Die Migrantinnen und Migranten kamen aus den verschiedenen Kronländern der Monarchie mit ihren unterschiedlichen Ethnien und Herkunftskulturen; in ihrer überwiegenden Mehrzahl aber entstammten sie den kaum industrialisierten, agrarischen Gebieten Südböhmens und Südmährens, also gleichsam dem unmittelbaren agrarischen Hinterland Wiens. Sie kamen als unqualifizierte Arbeitskräfte für Industrie, Gewerbe und private Haushalte, und siedelten in den industriellen Arbeitervorstädten, wo sich eine moderne, neu entstehende industrielle Großproduktion konzentrierte. Bis zur Jahrhundertwende jedenfalls war Wien zur größten tschechischen Stadt überhaupt geworden, in Favoriten (mit den Wienerberger Ziegelwerken) etwa  stellten die Tschechen einen Anteil von nahezu einem Viertel der Bezirksbevölkerung.

Prinzipiell bedeutete die Zuwanderung Urbanisierung und Proletarisierung, sie brachte aber auch ihre verfestigten, ländlich-agrarischen Lebensformen und Denkweisen in den städtischen Zusammenhang ein, wo diese ihrerseits adaptiert, modifiziert, umgewälzt wurden. Die tschechische Zuwanderung nach Wien vollzog sich in den Bahnen einer permanenten ethnisch-kulturellen Assimilation, einer bereits von zeitgenössischen Beobachtern registrierten, überaus raschen Anpassung an das großstädtische Milieu; die Wiener Tschechen nehmen entscheidenden Einfluss auf die populare Kultur, Mentalität, Sprache und Gestus der Stadt. 

Wien wächst im Verlauf dieses dynamischen Prozesses der Modernisierung, der industriellen Überformung traditioneller Ökonomien und Lebenswelten – eines Prozesses, der in nie gekanntem Ausmaß Kapitalien und Menschen mobilisiert – zur großstädtischen Metropole heran. Über das ganze 19. Jahrhundert hat sich die Einwohnerzahl der Agglomeration versiebenfacht, von 1830–1900 in etwa vervierfacht, in den letzten drei Jahrzehnten verdoppelt. Der Höchststand mit knapp über 2 Millionen Einwohnern wurde 1910 erreicht, der jährliche Bevölkerungszuwachs betrug um die Jahrhundertwende 34.000 Menschen, der Anteil der „fremdbürtigen“ Bevölkerung lag zu dieser Zeit knapp über 65 Prozent. Die Konzentration von Verwaltungsfunktionen, die Überlagerung unterschiedlicher Bürokratien führte zu einer Ballung hauptstädtischer Funktionen, zur Zentralisierung von Politik, Ökonomie und Kultur. 

Ironischerweise war die Tatsache, dass Wien um sein Zentrum herum über ein großes Stück freien Landes verfügen konnte, das einer modernen urbanen Entwicklung offenstand, eine Folge der historischen Zurückgebliebenheit der Stadt. Bastionen, Kurtinen und das Glacis als um die Innenstadt gelegter Fortifikationsring waren bestehen geblieben, selbst als sie ihre militärische Funktion längst verloren hatten. Die Revolution von 1848 hat dann die politische und strategische Bedeutung des Glacis erneut aktualisiert, wenn auch nunmehr gegenüber der eigenen (potenziell aufrührerischen) städtischen Bevölkerung. Und so vereinigten sich in der Anlage der Ringstraße primär militärische Erwägungen mit dem Bedürfnis eines aufsteigenden, liberalen Bürgertums nach einem monumentalen, repräsentativen Boulevard als baulicher wie symbolischer Ausdruck des  Triumphs eines spät gekommenen Kapitalismus. In seiner eklektischen, historistischen Repräsentativarchitektur, mit seinen prachtvollen politischen und kulturellen Monumentalbauten und seinen palaisartigen, luxuriösen Wohnblöcken ist der Ring ein außergewöhnliches urbanes Gesamtkunstwerk. Zugleich ist de facto jedes einzelne seiner Gebäude Ausdruck einer Konkurrenz höchst unterschiedlicher Machtansprüche und kultureller Ambitionen. 

Denn die Anlage eines geschlossenen innerstädtischen Prachtboulevards geschah aus dem Geist des Neoabsolutismus, dem Geist einer autoritären und repressiven, von oben in die Wege geleiteten Modernisierung. Parallel zu ihrem Aufstieg in Staat und Stadt allerdings begannen sich zunehmend die liberalen Kräfte  durchzusetzen. Gegenüber der Hofburgerweiterung Sempers und Hasenauers wurde das Rathausviertel auf dem Paradeplatz, dem letzten in militärischem Besitz gewesenen Areal, als der eloquenteste räumliche Ausdruck der bürgerlichen Macht, als ein „Bürgerforum“ mit Universität, Parlament, Rathaus gestaltet.  Der jeweils gewählte Stil, das mehrdeutige Vokabular historistischer Stilarchitektur entsprach assoziativ der Funktion des jeweiligen Gebäudes. 

Solcherart sind in die bauliche und räumliche Gestaltung des Ringviertels rivalisierende Ansprüche und Interessen ebenso wie historische Kompromisse eingegangen. Eine Funktion allerdings war jedenfalls erfüllt: Was einst ein Ring militärischer Absonderung gewesen war, wurde nunmehr zu einem Ring gesellschaftlicher Trennung. Die Ringstraße bildete eine in sich abgeschlossene Figur, die zugleich eine Trennung der Gesellschaft definierte: Die herrschenden Klassen, Adel und (Groß)Bürgertum in der Innenstadt mit den alten Palästen und den neu entstandenen Refugien bürgerlicher Wohnkultur; und, davon abgetrennt, die inneren Vorstädte mit den Kleinbürgern und Beamten sowie die äußeren Vorstädte mit dem Industrieproletariat und den sozialen Unterschichten. 

Spekulative Bautätigkeit und Zuwanderung verdichteten letztere zu Zonen extremer sozialer und baulich-räumlicher Enge (die Gesamtbauleistung im Zeitraum von 1856–1917 belief sich auf 460.000 Wohnungen). Extremer Überbelag, massive Einkommensbelastung infolge überhöhter Mieten und permanente Kündigungsdrohung, Bettgehertum, Unter- und Aftermietwesen bestimmten die Wohnverhältnisse der Bevölkerung der Außenbezirke. Und doch eröffnet sich gerade in diesem Zusammenhang eine Einzigartigkeit, ein Spezifikum der Wiener Stadtgestalt: Das soziale Elend war (und ist) in dieser Stadt hinter einer Fassade von beeindruckender Schönheit verborgen, die ganz offensichtlich eben einen an der klassizistischen Ringstraßenarchitektur orientierten, homogenen Stadtkörper suggerieren soll. Die Zinskasernen der Vorstädte sind denn auch von ihrer äußeren Gestaltung her wahre Prachtbauten, die den berühmten Ringstraßenpalais in vielen Fällen nur um weniges nachstehen. Der schäbigen Welt der Vorstadt war somit die (fast) gleiche Fassadenästhetik eingeschrieben wie der Prachtarchitektur der Ringstraße, die Zinskasernen bildeten in ihrer äußeren Gestalt weniger einen Kontrast zum Zentrum als vielmehr dessen symbolische Fortsetzung.

 

 

Kaiserliches Handschreiben als Übersicht anzeigen

A.H. Genehmigung zur Anlage der Wiener Ringstraße (Abschrift), 20.12.1857

AT-OeStA/AVA Inneres STEF Sign. 1 Präs., Zl. 12.074/1857

In diesem Handschreiben wurde in großen Zügen das Programm der Stadterweiterung umrissen. Es legte aber auch Details wie Straßenbreiten, die Anordnung von Militärgebäuden und Parks und nicht zuletzt die Zusammensetzung der Kommission fest. Zugleich sollte dieses Handschreiben auch als Unterlage für die öffentliche Ausschreibung und Erläuterung für interessierte Behörden, Architekten und Unternehmen dienen und wurde deshalb in vielen Exemplaren verteilt. Das Original wurde durch den Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927 vernichtet.

In diesem Handschreiben wurde in großen Zügen das Programm der Stadterweiterung umrissen. Es legte aber auch Details wie Straßenbreiten, die Anordnung von Militärgebäuden und Parks und nicht zuletzt die Zusammensetzung der Kommission fest. Zugleich sollte dieses Handschreiben auch als Unterlage für die öffentliche Ausschreibung und Erläuterung für interessierte Behörden, Architekten und Unternehmen dienen und wurde deshalb in vielen Exemplaren verteilt. Das Original wurde durch den Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927 vernichtet.

Transkription

Abschrift

 

Lieber Freiherr von Bach! Es ist Mein Wille daß die Erweiterung der inneren Stadt Wien mit Rücksicht auf eine entsprechende Verbindung derselben mit den Vorstädten ehemöglichst in Angriff genommen und hiebei auch auf die Regulirung und Verschönerung Meiner Residenz- und Reichshauptstadt Bedacht genommen werde.

Zu diesem Ende bewillige Ich die Auflassung der Umwallung und Fortifikationen der inneren Stadt, so wie der Gräben um dieselbe.

Jener Theil, der durch Auflaßung der Umwallung der Fortifikationen und Stadtgräben gewonnenen Area und Glacis-Gründe, welcher nach Maßgabe des zu entwerfenden Grundplanes nicht einer anderweitigen Bestimmung vorbehalten wird, ist als Baugrund zu verwenden, und der daraus gewonnene Erlös hat zur Bildung eines Baufondes zu dienen, aus welchem die durch diese Maßregel dem Staatschatze erwachsenden Auslagen insbesondere auch die Kosten der Herstellung öffentlicher Gebäude, so wie die Verlegung der noch nöthigen Militär-Anstalten bestritten werden sollen.

Bei der Entwerfung des bezüglichen Grundplanes und nach Meiner Genehmigung desselben bei der Ausführung der Stadterweiterung ist von nachstehenden Gesichtspunkten auszugehen.

Mit der Wegräumung der Umwallung der Fortifikationen und der Ausfüllung der Stadtgräben ist in der Streke von der Biberbastei bis an die Umfassungsmauer des Volksgartens in der Art zu beginnen, daß längs dem Donaukanale ein breiter Quai hergestellt und der vom Schottenthore bis zum Volksgarten gewonnene Raum theilweise zur Regulirung des Exerzierplatzes benützt werden kann.

Zwischen diesen gegebenen Punkten hat zunächst die Erweiterung der inneren Stadt in der Richtung gegen die Rossau und die Alservorstadt zu geschehen, einerseits dem Donaukanale, andererseits der Grenzlinie des Exerzierplatzes folgend, jedoch mit Bedacht auf die entsprechende Einschließung der im Bau begriffenen Votivkirche.

Bei der Anlage dieses neuen Stadttheiles ist zuvörderst auf die Erbauung einer befestigten Kaserne in welcher auch die große Militärbäkerei und das Stabsstokhaus unterzubringen sind, Rücksicht zu nehmen, und hat diese Kaserne achtzig /: 80 :/ Wienerklafter von der Augartenbrüke nach abwärts, entfernt, in der verlängerten Achse der dorthin führenden Hauptumfassungsstrasse zu liegen zu kommen.

Der Platz vor Meiner Burg nebst der zu beiden Seiten derselben befindlichen Gärten hat bis auf weitere Anordnung in seinem gegenwärtigen Bestande zu verbleiben.

Die Fläche außerhalb des Burgthores bis zu den kaiserlichen Stallungen ist frei zu lassen. Ebenso hat der Theil des Hauptwalles /: Biberbastei:/ auf dem die Meinen Namen führende Kaserne liegt fortzubestehen.

Die fernere Erweiterung der inneren Stadt ist bei dem Kärnthnertore und zwar auf beiden Seiten desselben in der Richtung gegen die Elisabeth- und Mondscheinbrüke bis gegen das Karolinenthor vorzunehmen.

Auf die Herstellung öffentlicher Gebäude, namentlich eines neuen General-Kommandos, einer Stadtkommandantur, eines Opernhauses, eines Reichsarchives, einer Bibliothek, eines Stadthauses dann der nöthigen Gebäude für Museen und Galerien ist Bedacht zu nehmen, und sind die hiezu zu bestimmenden Plätze unter genauer Angabe des Flächenausmaßes zu bezeichnen.

Der Raum vom Karolinenthor bis zum Donaukanale soll ebenfalls frei bleiben, desgleichen der große Exerzierplatz der Garnison vom Platze vor dem Burgthor an bis in die Nähe des Schottenthores und hat letzterer an den Platz vor dem Burgthore unmittelbar anzuschließen.

Von der befestigten Kaserne am Donaukanal an, bis zum großen Exerzierplatz, hat in gerader Linie ein Raum von Einhundert /: 100 :/ Wienerklaftern Breite, frei und unbebaut belassen zu werden. Soinst soll aber im Anschluße an der Quai längst dem Donaukanale rings um die innere Stadt ein Gürtel in der Breite von mindestens Vierzig /: 40 :/ Klaftern,- bestehend aus einer Fahrstrasse mit Fuß- und Seitenwegen zu beiden Seiten auf dem Glacis-Grunde in der Art angelegt werden, daß dieser Gürtel eine angemessene Einfassung von Gebäuden, abwechselnd mit freien, zu Gartenanlagen zu bestimmten Plätzen erhalte.

Die übrigen Hauptstrassen sind in entsprechender Breite und selbst die Nebenstrassen nicht unter Acht Klafter Breite anzutragen.

Zugleich ist auch bei Entwerfung des Grundplanes über die Stadterweiterung, die Regulirung der inneren Stadt im Auge zu behalten, und daher der Eröffnung entsprechender neuer Ausgänge aus der inneren Stadt, unter Bedachtnahme auf die in die Vorstädte führenden Hauptverkehrslinien, gleichwie der Herstellung neuer, jene Verkehrslinien vermittelnder Brüken, die geeignete Bedachtnahme zuzuwenden.

Zur Erlangung eines Grundplanes ist ein Konkurs auszuschreiben und ein Programm nach den hier vorgezeichneten Grundsätzen jedoch mit dem Beisatze zu veröffentlichen daß im Uibrigen den Konkurrenten freier Spielraum bei Entwerfung des Planes gelassen werde, gleichwie sonstige, hierauf bezügliche geeignete Vorschläge nicht ausgeschlossen sein sollen.

Für die Beurtheilung der eingelangten Grundpläne ist eine Kommission aus Repräsentanten der Ministerien des Innern, des Handels, ferner Meiner Militär-Central-Kanzlei und der Obersten Polizeibehörde, einem Abgeordneten der niederösterreichischen Statthalterei und dem Bürgermeister der Stadt Wien, dann aus geeigneten, von dem Ministerium des Innern im Einvernehmen mit den übrigen hier erwähnten Zentralstellen zu bestimmenden Fachmännern unter dem Vorsitze eines Sektionschefs des Ministerium des Innern zu bilden, und sind drei, von dieser Kommission als die besten anerkannten Grundpläne mit Preisen, und zwar in den Beträgen von Zweitausend, Eintausend und Fünfhundert Stük kk. Münzdukaten in Gold zu betheilen.

Die hiernach als die vorzüglichsten anerkannten drei Grundpläne sind Mir zur Schlußfassung vorzulegen, so wie über die weiteren Modalitäten der Ausführung unter Erstattung der bezüglichen Anträgen Meine Entschließung einzuholen sein wird.

Sie haben wegen Ausführung dieser Meiner Anordnungen, sogleich das Entsprechende zu verfügen.

Wien am 20. Dezember 1857

Franz Joseph mp

Die Transkriptionen geben die originale Schreibung und Satzzeichensetzung wieder, d.h. die Rechtschreibung wurde nicht aktualisiert. Offensichtliche Rechtschreibfehler sind ausgebessert, um der besseren Lesbarkeit willen aber nicht extra markiert. Die gängigen Abkürzungen wie z.B. „k.k.“, wurden belassen, unklare Abkürzungen zwischen [] ergänzt und das Wort wieder vervollständigt.
Der Seiten- und Zeilenumbruch der Transkription entspricht nicht dem Originaltext, allerdings wurden die Absätze übernommen.

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Kaiserliche Genehmigung des Grundplanes für die Erweiterung der Inneren Stadt Wien vom 1. September 1859, 1.9.1859

AT-OeStA/AVA Inneres MdI Präsidium A 441, Zl.9814/1859, fol. 61-76

Transkription

Allerhöchste Entschließung

zum „Allerunterthänigsten Vortrag des treugehorsamsten Ministers des Inneren Alexander Freiherrn von Bach womit der Grundplan für die Erweiterung der inneren Stadt Wien zur allerhöchsten Genehmigung ehrerbietigst vorgelegt wird“

 

Dem vorgelegten Entwurfe des Grundplanes für die Erweiterung der inneren Stadt Wien ertheile Ich Meine Genehmigung mit den aus den Beilagen ersichtlichen Abänderungen, nach welchen 1. Die Umschließung Meiner Burg und der Vorbauten in der im mitfolgenden HochPlane angedeuteten Weise anzuordnen ist, in dem Ich zugleich bestimme, daß das für die kaiserlichen Appartements projektirte Gebäude sammt dem Kaisergarten auf die westliche, dagegen das projektirte Bibliotheks Gebäude sammt dem Volksgarten auf die östliche Seite des vorderen Burgplatzes verlegt werde, und 2. Die Verwaltungsstraße vom Schottenthore bis zum Donau Kanale fortzuführen ist, wodurch sich die in der mitfolgenden Plan Skizze angegebenen Abänderungen ergeben. Indem ich die Anzeige über die wegen Ausführung der Stadterweiterung getroffenen Einleitungen zur Kenntnis nehme, fordere Ich Sie auf über die weiteren Maßregeln und namentlich über die Bildung des Stadterweiterungs-Baufondes Mir ehebaldigst Ihre Anträge im Einvernehmen mit meinem Finanzminister zu erstatten, und damit nach gepflogenem Einvernehmen mit Meinem Ersten Obersthofmeister jene Verhandlung in Verbindung zu bringen, welche Ich mit Meiner Entschließung vom 28. März d. J. in Betreff der Vornahme der daselbst bezeichneten Neubauten und Regulirungen, und wegen Deckung der dafür entfallenden Auslagen angeordnet habe.

Wien 1. September 1859

Franz Joseph

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Das Burgtor auf der Ringstraße, ca. 1870

AT-OeStA/HHStA SB FA De Vaux Fotografien 5

Am 1. Mai 1865 wurde die Wiener Ringstraße im Zuge der traditionellen Praterfahrt von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth offiziell eröffnet. Vom geplanten Prachtboulevard war zu diesem Zeitpunkt jedoch nur der Straßenverlauf angelegt. Auf dem Bild sind bereits die jungen Alleebäume zu erkennen. Große Teile der Ringstraße waren zu dieser Zeit aber noch Baustelle. Allein das von Peter Nobile errichtete Äußere Burgtor war schon seit 1824 fertig.

Am 1. Mai 1865 wurde die Wiener Ringstraße im Zuge der traditionellen Praterfahrt von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth offiziell eröffnet. Vom geplanten Prachtboulevard war zu diesem Zeitpunkt jedoch nur der Straßenverlauf angelegt. Auf dem Bild sind bereits die jungen Alleebäume zu erkennen. Große Teile der Ringstraße waren zu dieser Zeit aber noch Baustelle. Allein das von Peter Nobile errichtete Äußere Burgtor war schon seit 1824 fertig.

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Pläne zur Erneuerung der Ringstraße, Entwurf von Nüll-Sicardsburg, 03.04.1857

AT-OeStA/HHSTA KA RR Zl. 1875/1857

In einem Ausschreibungsverfahren wurden insgesamt 85 Entwürfe für die Gestaltung der Ringstraße vorgelegt. Das Projekt Nr. 66 von Eduard Van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg wurde unter die ersten drei Projekte eingereiht. Die Architekten Van der Nüll und Sicard von Sicardsburg legten ihren Schwerpunkt auf die Regulierung der Inneren Stadt, auf die bauliche Umgestaltung des Glacis und die Festlegung des Boulevards und der Parkanlagen.

In einem Ausschreibungsverfahren wurden insgesamt 85 Entwürfe für die Gestaltung der Ringstraße vorgelegt. Das Projekt Nr. 66 von Eduard Van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg wurde unter die ersten drei Projekte eingereiht. Die Architekten Van der Nüll und Sicard von Sicardsburg legten ihren Schwerpunkt auf die Regulierung der Inneren Stadt, auf die bauliche Umgestaltung des Glacis und die Festlegung des Boulevards und der Parkanlagen.

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Pläne zur Erneuerung der Ringstraße, Entwurf von Ludwig Förster, 17.04.1857

AT-OeStA/HHSTA KA RR Zl. 1875/1857

Das Projekt zur Ringstraße von Ludwig Förster wurde ebenfalls als sogenannter Konkurrenzentwurf beim Ausschreibungsverfahren zur Gestaltung der Ringstraße eingereicht. Die Besonderheit seines Entwurfs ist ein Plan zur Regulierung der Vorstadtgebiete, die an das Glacis angrenzten.

Keines der in der Ausschreibung vorgelegten Projekte kam zur Ausführung.

Das Projekt zur Ringstraße von Ludwig Förster wurde ebenfalls als sogenannter Konkurrenzentwurf beim Ausschreibungsverfahren zur Gestaltung der Ringstraße eingereicht. Die Besonderheit seines Entwurfs ist ein Plan zur Regulierung der Vorstadtgebiete, die an das Glacis angrenzten.

Keines der in der Ausschreibung vorgelegten Projekte kam zur Ausführung.

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Projekt Kaiserforum, 1870

AT-OeStA/HHStA SB PAB D-4

Das Architekturprojekt von Semper und Hasenauer sollte eine Verbindung zwischen der Hofburg und den Kaiserlichen Sammlungen im Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum bilden. Die Arbeiten wurden jedoch nie vollendet. Es blieb beim Bau der beiden kaiserlichen Museen.

Das Architekturprojekt von Semper und Hasenauer sollte eine Verbindung zwischen der Hofburg und den Kaiserlichen Sammlungen im Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum bilden. Die Arbeiten wurden jedoch nie vollendet. Es blieb beim Bau der beiden kaiserlichen Museen.

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Bau des Reichsratsgebäudes, verschiedene Bauphasen, 1877

AT-OeStA/AVA PKF PS II A-II-c/162 Teil 1, Blatt 1-3

Die Fotografien zeigen von erhöhter Position, einmal von einem provisorischen Nebengebäude, zweimal vom kurz davor fertig gestellten Palais Epstein aus gesehen, die Baustelle des Reichsratsgebäudes. Auf Bild 1 ist das Kellergeschoss fertig aufgemauert, auf Bild 2 das Erdgeschoss. Im Hintergrund sieht man die eingerüstete Baustelle des Rathauses, auf Bild 3 sind der erste Stock und die Rampe fertig aufgemauert.

Die Fotografien zeigen von erhöhter Position, einmal von einem provisorischen Nebengebäude, zweimal vom kurz davor fertig gestellten Palais Epstein aus gesehen, die Baustelle des Reichsratsgebäudes. Auf Bild 1 ist das Kellergeschoss fertig aufgemauert, auf Bild 2 das Erdgeschoss. Im Hintergrund sieht man die eingerüstete Baustelle des Rathauses, auf Bild 3 sind der erste Stock und die Rampe fertig aufgemauert.

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Die neuen Parlamentshäuser in Wien, 1883

AT-OeStA/AVA PKS PS A-II-c/162 Teil 1, Blatt 4

Das neue Parlament besticht in seiner formalen Gestaltung durch die massive Verwendung historisierender, hellenistischer Stilelemente sowohl in der grundlegenden Fassadengestaltung als auch in vielen Dekors und Ausstattungsdetails. Die architektonischen Anleihen aus der griechischen Antike wurde hier gesellschaftlich interpretiert als Vorbild für die Teilhabe des Volkes an Gesetzgebung und Regierung, allerdings in der Einschränkung einer bürgerlichen Elitendemokratie.

Das Parlament war neben dem Rathaus Teil der Inszenierung eines Bürgerforums, im Koordinatensystem der Ringstraße als Gegenpol zum kaiserlichen Palast angelegt.

Das neue Parlament besticht in seiner formalen Gestaltung durch die massive Verwendung historisierender, hellenistischer Stilelemente sowohl in der grundlegenden Fassadengestaltung als auch in vielen Dekors und Ausstattungsdetails. Die architektonischen Anleihen aus der griechischen Antike wurde hier gesellschaftlich interpretiert als Vorbild für die Teilhabe des Volkes an Gesetzgebung und Regierung, allerdings in der Einschränkung einer bürgerlichen Elitendemokratie.

Das Parlament war neben dem Rathaus Teil der Inszenierung eines Bürgerforums, im Koordinatensystem der Ringstraße als Gegenpol zum kaiserlichen Palast angelegt.

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Votivkirche, Seitenansicht kurz vor der Fertigstellung, ca. 1879

AT-OeStA/AVA PKF PS A-II-c/1

Die Votivkirche wurde zwischen 1856 und 1879 im Stil der französischen hochmittelalterlichen Kathedralgotik nach Plänen des Architekten Heinrich Ferstel errichtet. Ihr Name leitet sich her von der propagierten Widmung als Dankgeschenk der Bevölkerung für den Umstand, dass Kaiser Franz Joseph den Attentatsversuch des Schneidergesellen János Libényi am 18. Februar 1853 leicht verletzt überlebt hatte. Die Finanzierung wurde, ganz in diesem Sinne, nach einem Spendenaufruf des Bruders von Kaiser Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, zum größten Teil durch Beiträge der Wiener Bevölkerung getragen.

Die ihr zugedachte Funktion als patriotischer Gedächtnisort des Herrscherhauses und Ruhmeshalle großer Österreicher wurde nicht wirklich umgesetzt. In dem Vierteljahrhundert zwischen Konzeption und Einweihung hatten sich die politischen Verhältnisse im Vielvölkerstaat zu sehr verkompliziert, als dass man sich auf eine gesamtstaatliche "best of"-Liste einigen hätte können.

Auch eine zweite modellhafte Konzeption als Mittelpunkt eines Universitätsviertels mit Ruhmeshalle wurde nicht umgesetzt - die Hauptuniversität wurde etwas abgerückt realisiert.

Die Votivkirche wurde zwischen 1856 und 1879 im Stil der französischen hochmittelalterlichen Kathedralgotik nach Plänen des Architekten Heinrich Ferstel errichtet. Ihr Name leitet sich her von der propagierten Widmung als Dankgeschenk der Bevölkerung für den Umstand, dass Kaiser Franz Joseph den Attentatsversuch des Schneidergesellen János Libényi am 18. Februar 1853 leicht verletzt überlebt hatte. Die Finanzierung wurde, ganz in diesem Sinne, nach einem Spendenaufruf des Bruders von Kaiser Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, zum größten Teil durch Beiträge der Wiener Bevölkerung getragen.

Die ihr zugedachte Funktion als patriotischer Gedächtnisort des Herrscherhauses und Ruhmeshalle großer Österreicher wurde nicht wirklich umgesetzt. In dem Vierteljahrhundert zwischen Konzeption und Einweihung hatten sich die politischen Verhältnisse im Vielvölkerstaat zu sehr verkompliziert, als dass man sich auf eine gesamtstaatliche "best of"-Liste einigen hätte können.

Auch eine zweite modellhafte Konzeption als Mittelpunkt eines Universitätsviertels mit Ruhmeshalle wurde nicht umgesetzt - die Hauptuniversität wurde etwas abgerückt realisiert.

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