Bewegte Frauen

 „Stützen Sie die Bestrebungen nach einer vertiefenden Bildung und einem erweiterten Wissen der Frau, denn die Frauenbildung ist die Wehr gegen die schwerlastenden Reste der Barbaren und gegen die Wahnvorstellungen über das Weib im 19. Jahrhundert.“                                                                                                                                              Marianne Hainisch

 Bürgerliche Freiheitsrechte und soziale Gesetzgebung wurden im revolutionären Europa der Jahre 1848/49 auf breiter Basis, klassen- wie geschlechterübergreifend gefordert. Den Kampf um Religions-, Meinungs- und Vereinsfreiheit sowie um demokratische Mitbestimmung mittels Wahlrecht trugen bürgerliche wie proletarische Frauen mit, jedoch musste er aufgrund ihres Ausschlusses aus der männlich dominierten politischen Sphäre in separaten Frauenvereinen gefochten werden. Im August 1848 protestierten in Wien tausende Erdarbeiterinnen gegen frauenfeindliche Lohnpolitik (Praterschlacht), im selben Monat konstituierte sich unter massivem Protest und medialer Häme der „Erste Wiener Demokratische Frauenverein“ als Sprachrohr emanzipatorischer Zielsetzungen und somit als erster Frauenverein, der seine Aufgabe nicht in karitativer sondern in politischer Arbeit verstand. Mit der baldigen Niederschlagung der Revolution wurde der Verein aufgelöst, seine Präsidentin Karoline von Perin-Gradenstein verhaftet. Seine kurzlebige Existenz gilt dennoch als Beginn der sogenannten Frauenbewegung in der Habsburger Monarchie.

Die Betätigungsfelder, in welchen organisierte Frauen agieren konnten, blieben im kontrarevolutionären Kaiserreich nicht nur in der anschließenden neoabsolutistischen Phase stark eingeschränkt. Für „Ausländer, Frauenspersonen und Minderjährige” war in Paragraph 30 des Vereinsgesetzes vom 15. November 1867 das Verbot festgehalten, sich in politischen Vereinen als Mitglieder zu organisieren. Dieser drastische Ausschluss von Frauen aus der Öffentlichkeit entsprach der vorherrschenden Gesellschaftsordnung, die im Zuge der Industrialisierung und Verstädterung der Monarchie hegemonial geworden war. Das sukzessive, nicht nur räumliche Auseinanderdriften von öffentlicher Erwerbs- und Berufssphäre und dem privaten Bereich von Haushalt und Familie hatte einen speziell bürgerlichen Patriarchalismus ausgebildet: Der traditionell männliche Herrschaftsanspruch war unter erweiterten Vorzeichen - juristisch, ideologisch und über alle wissenschaftliche Disziplinen hinweg - ausgebaut und gefestigt worden. Einen besonders wirkungsmächtigen Ausdruck entwickelte die institutionalisierte Diskriminierung von Frauen in der Etablierung und Ausweitung des bürgerlichen Familienideals. Das Modell wies bürgerlichen Frauen (und ihren Töchtern) den privaten Bereich des Hauses und ein passives Rollenbild zu, das dem des Mannes auf Basis von vermeintlich naturgegebenen Geschlechtscharakteren komplementär gesetzt war: Mutterschaft und Haushaltsführung, Kindererziehung und repräsentative Funktionen. 

Diese Zuordnung mit ihren weitreichenden Konsequenzen für das Bildungs- und später auch Wirtschaftsbürgertum wirkte sich nicht zuletzt auf die strukturelle wie inhaltliche Ausrichtung der schulischen Ausbildung aus. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zunehmend „Mädchenschulen für gebildetere Stände“ errichtet, die sich in ihrer vorrangig schöngeistigen Orientierung nicht nur stark von jener für Knaben unterschieden, welche das Curriculum für das Erwerbsleben oder ein wissenschaftliches Berufsstudium vorbereitete. Im Bildungsangebot für junge Frauen hingegen war ein Universitätsstudium gar nicht vorgesehen. Die gewaltige rechtliche wie finanzielle Abhängigkeit von Frauen des Bürgertums, ihr Ausschluss aus tertiärer Bildung, politischen Entscheidungsprozessen und dem öffentlichen Leben an sich ließ wenig Gestaltungsspielraum. Das Verbot an politischen Vereinen teilzunehmen führte interessierte Frauen dazu, ihr Engagement im Wohltätigkeits- und Kulturbereich einzusetzen oder in Fragen der Mädchen-/Frauenbildung aktiv zu werden. Mit vorgeblich unpolitischen Zielsetzungen formierten sich in den letzten drei Dekaden des 19. Jahrhunderts zunehmend neue Vereine, die sich für einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, besseren Arbeitsbedingungen und politisches Stimmrecht engagierten. Im Jahr 1888 konstituierte sich der bürgerliche Verein für erweiterte Frauenbildung in Wien, welcher in den Folgejahren prominente Pionierinnen und Unterstützer der Frauenemanzipation hinter seiner Zielsetzung vereinte, vollwertige Mädchengymnasien zu errichten und das Hochschulstudium für Frauen durchzusetzen. Neben Vorkämpferinnen der Frauenbewegung wie Marianne Hainisch und Rosa Mayreder gehörten etwa der Philosoph Theodor Gomperz, die Friedensaktivistin Bertha von Suttner, die Journalistin und Kunstkritikerin Bertha Zuckerkandl-Szeps und ihr Mann Emil Zuckerkandl wie auch der Sozialdemokrat Ludo Hartmann zu den Vereinsmitgliedern. Diesem UnterstützerInnenkreis trat nach ihrem Umzug nach Wien eine weitere Verfechterin der Frauenbildung bei. Eugenie Schwarzwald hatte aufgrund des in der Monarchie für Frauen untersagten Universitätsbesuchs in Zürich promoviert und war mit ihrem Mann zur Jahrhundertwende in die Residenzstadt gezogen. Bald ergab sich neben ihrer Lehrtätigkeit am Ottakringer Volksheim die Gelegenheit, die Führung eines Mädchenlyzeums zu übernehmen. Unerschrocken setzte sie weitreichende Neuerungen durch, um deren Genehmigung sie oft erst im Nachhinein ansuchte. Den zuständigen Behörden trotze Schwarzwald selbstbewusst „Gymnasialkurse“ ab, welche den inhaltlichen Angebotsmangel in Mädchenlyzeen gegenüber Knabengymnasien beheben sollten. Mit ihrer unkonventionellen Personalpolitik, die einen überdurchschnittlichen Anteil an weiblichen Lehrkräften genauso einschloss wie etwa die Anstellung des jungen Oskar Kokoschka als Zeichenlehrer, stieß sie die Bürokratie immer wieder vor den Kopf. Dem selbstbewussten Auftreten und ihrem hartnäckigen Einsatz und nicht zuletzt dem Reformgeist des Fin de Sciècle war es schließlich zu verdanken, dass ihr mit der Etablierung eines vollwertigen Mädchengymnasiums ein wichtiger Durchbruch in der Frauenschulbildung zu verdanken ist. 

Flugblatt als Übersicht anzeigen

Flugblatt des Frauenstimmrechts-Komitees, Österreichs Männer und Frauen vor dem Gesetze, ca. 1907

AT-OeStA/AVA, Unterricht-KB, VFb, Ktn. 3

Ende 1905 erfolgte die Gründung des österreichischen Frauenstimmrechts-Komitees. In Österreich wurde jedoch erst nach Ausrufung der Republik das allgemeine und gleiche Frauenwahlrecht eingeführt, nachdem Frauenvereinigungen schon zur Zeit der Monarchie einen langen, zähen aber vorerst vergeblichen Kampf für mehr Mitbestimmung geführt hatten.

Ende 1905 erfolgte die Gründung des österreichischen Frauenstimmrechts-Komitees. In Österreich wurde jedoch erst nach Ausrufung der Republik das allgemeine und gleiche Frauenwahlrecht eingeführt, nachdem Frauenvereinigungen schon zur Zeit der Monarchie einen langen, zähen aber vorerst vergeblichen Kampf für mehr Mitbestimmung geführt hatten.

Briefe als Übersicht anzeigen

Marianne Hainisch - Korrespondenzen mit Rosa Mayreder, Adelheid Popp und Bertha von Suttner, 22.03.1901

AT-OeStA/AVA, Unterricht-KB, VFb, Ktn. 3, Marianne Hainisch: Schriftverkehr (Persönliches, Artikel, Schriften, Briefe, Festgaben, Widmungen)

Die Korrespondenzen von Marianne Hainisch mit Rosa Mayreder, Adelheid Popp und Bertha von Suttner stammen aus dem Schriftgut des "Vereins für erweiterte Frauenbildung". Rosa Mayreder (1858-1939), Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Adelheid Popp (1869-1939), österreichische Frauenrechtlerin und Sozialistin. Bertha von Suttner (1843-1914), Pazifistin, Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin 1905.

Die Korrespondenzen von Marianne Hainisch mit Rosa Mayreder, Adelheid Popp und Bertha von Suttner stammen aus dem Schriftgut des "Vereins für erweiterte Frauenbildung". Rosa Mayreder (1858-1939), Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Adelheid Popp (1869-1939), österreichische Frauenrechtlerin und Sozialistin. Bertha von Suttner (1843-1914), Pazifistin, Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin 1905.

Transkription

22. März 1901

Hochverehrte Frau!

Ich möchte Ihre Zeit nicht durch erneute Danksagungen in Anspruch nehmen: aber ich glaube es ihrer gütigen Teilnahme schuldig zu sein, Ihnen zu berichten, daß die Angelegenheit, in der Sie uns Ihren Beistand geliehen haben, in der vorgestrigen Sitzung friedlich erledigt und Ihr freundlicher Brief mit aufrichtigem Dank zur Kenntniß genommen worden ist. Wenn der Zufall nicht neuerlich einen Anlaß aufwirft, der alte Wunden zu berühren geeignet ist, so hoffe ich doch, daß wir die bösesten Klippen umschifft haben. – Ich bin ja vollkommen ihrer Ansicht, verehrte Frau, daß in Wien Raum für mehr als eine Führerin und Partheischattirung ist; nur sollte eben die Integrität der Sache nicht durch persönliche Interessen getrübt werden. Sobald der Kampf für die Sache von einer Seite zur Erwerbsquelle gemacht wird müssen sich aber diejenigen abgeschreckt oder zur Gegnerschaft gereizt fühlen, denen er eine reine Herzens- und Überzeugungsangelegenheit war. – Es hat mich geschmerzt, dass ich Ihnen mit meinen Andeutungen Sorge bereitete. Glauben Sie mir, ich hätte Sie nicht damit behelligt, wenn nicht eben sehr viel auf dem Spiel stünde. Und ich wünsche, ich hätte seinerzeit in jener verhängnisvollen Zeitungsgeschichte meiner Scheu vor Klagen nicht nachgegeben und gesprochen, als es noch Zeit war!

Wir haben beschlossen, über die Angelegenheit der Französin keine eigene Versammlung mehr abzuhalten, sondern bloß in unserer Generalversammlung (Samstag, 30. d. um ½ 7) unseren Mitgliedern eine Petition an das Parlament vorzuschlagen. Wir wollen darin neuerlich Stellung gegen die Reglementirung nehmen; um aber nicht etwas völlig Aussichtsloses anzustreben, wollen wir in dem Petit nicht direkt die Abschaffung der Reglementirung, sondern nur die Einberufung einer Enquete über diese Frage fordern. Ich werde den Antrag bezüglich dieser Petition einbringen; und meine Bitte ginge dahin, dass Sie, hochverehrte Frau, in der Diskussion das Wort ergreifen möchten, um Ihren Standpunkt gegenüber der Reglementirung zu äußern. Die Petition soll im Allgemeinen dieselbe Begründung enthalten, wie unsere erste; und ich erlaube mir, zu Ihrer Orientierung die betreffende Publikation unseres Vereines beizuschließen.

Nun ist meine einzige Sorge, daß ich Sie wieder mit einer Antwort bemühe. Also ich bitte, hochverehrte Frau, annehmen zu dürfen, daß Sie einwilligen, wenn Sie nicht antworten. Und sollten Sie zu kommen verhindert sein, so werden wir das an dem Termin selbst durch Ihre Abwesenheit erfahren.

Mit dem Ausdrucke innigster Hochschätzung und Verehrung

Ihre ergebene

Rosa Mayreder

 

 

Stuppachgraben 7

Sehr geehrte Frau!

Dr. Adler hat mir Ihren Brief zugesendet mit der Bitte mich darüber mit Ihnen auseinander zu setzen.

Ich bin nun ganz gerne bereit das Gewünschte zu schreiben, bitte Sie aber mir freundlichst mitzutheilen bis zu welchen Endtermin ich Ihnen den Bericht einsenden soll da ich die Sache genau machen will. allerdings in gedrängter Kürze wie es wohl verlangt wird. den Endtermin möchte ich deshalb wissen, da ich bei meinem Erholungsaufenthalt ziemlich zu thun habe. außer meiner primitiven Wirtschaft u. den Kindern habe ich hier die Arbeiterinnen-Ztg. zu machen und die ganze Frauenkorrespondenz zu besorgen u. außerdem für den Berliner Vorwärts ab u. zu Notizen zu senden. Ich bitte also verehrte Frau mir freundl. Antwort hierüber und

zeichne hochachtungsvoll

Adelheid Popp

Verzeihen Sie, dass ich etwas nicht zur Angelegenheit Gehöriges hinzufüge es dürfte Sie aber interessieren u. freuen. Eines Tages kam hieher eine Bettlerin 80 Jahre alt die meinem Mann erzählte dass sie 25 Jahre in der Fabrik Hainisch gearbeitet hat, als sie alt war wurde sie von dem gegenwärtigen Besitzer der Fabrik entlassen. Und seufzend sagte sie:“ Würde der alte Herr Hainisch leben, dann müßte ich jetzt nicht betteln, das war ein guter Herr“. Leider unterließ es mein Mann sie um ihre Adreße zu fragen. Verzeihen Sie geehrte Frau diese Abschweifung es drängte mich Ihnen davon Mitteilung zu machen. A.P.

 

 

Liebste Frau Hainisch

Mea culpa, mea culpa! Dass ich gestern nicht bei Ihren Thee war, auf den ich mich so sehr gefreut hatte – das ist mir ein „crève-cœur“. Wie es so kam, mag ich nicht erzälen, denn es klingt doch immer alles wie Ausrede. Wenn ich aber auf Ehre versichere, dass ich fest beabsichtigte zu kommen und dass mir das Versaumniss furchtbar leid tut – so glauben Sie mir’s doch, nicht wahr? Hoffentlich haben Sie meine Abwesenheit gar nicht bemerkt. Mündlich erzähle ich Ihnen einmal, was geschehen ist.

In kameradschaftlicher Wertschätzung Ihre B. Suttner

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Schreiben als Übersicht anzeigen

Eugenie Schwarzwald, Schreiben an den Minister für Kultus und Unterricht wegen Dispens von der Lehrbefähigung etc., 31.3.1904, 31.03.1904

AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 2861, Zl. 11.476/1904

Eugenie Schwarzwald (1872-1940), eine Vorkämpferin auf dem Gebiet der Frauenbildung, schloss an der Universität Zürich 1900 als eine der ersten Österreicherinnen ein Studium mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Diese akademische Ausbildung wurde in Österreich jedoch nicht anerkannt und Eugenie Schwarzwald hatte nach der Übernahme eines Mädchenlyzeums im Jahre 1901, das sie zu einem Schulzentrum erweiterte, mit beträchtlichen Schwierigkeiten seitens der staatlichen Behörden zu kämpfen. Das fortschrittliche pädagogische Handeln Schwarzwalds diente später jedoch Otto Glöckel, dem bedeutenden sozialdemokratischen Schulreformer der Ersten Republik, als Vorbild. Als Pionierin der Reformpädagogik stellte Eugenie Schwarzwald Gewaltfreiheit, Förderung der Phantasie und Gestaltungskraft sowie die freie Entfaltung jeden Kindes in den Mittelpunkt ihres erzieherischen Wirkens.

Eugenie Schwarzwald (1872-1940), eine Vorkämpferin auf dem Gebiet der Frauenbildung, schloss an der Universität Zürich 1900 als eine der ersten Österreicherinnen ein Studium mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Diese akademische Ausbildung wurde in Österreich jedoch nicht anerkannt und Eugenie Schwarzwald hatte nach der Übernahme eines Mädchenlyzeums im Jahre 1901, das sie zu einem Schulzentrum erweiterte, mit beträchtlichen Schwierigkeiten seitens der staatlichen Behörden zu kämpfen. Das fortschrittliche pädagogische Handeln Schwarzwalds diente später jedoch Otto Glöckel, dem bedeutenden sozialdemokratischen Schulreformer der Ersten Republik, als Vorbild. Als Pionierin der Reformpädagogik stellte Eugenie Schwarzwald Gewaltfreiheit, Förderung der Phantasie und Gestaltungskraft sowie die freie Entfaltung jeden Kindes in den Mittelpunkt ihres erzieherischen Wirkens.

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Marianne Hainisch, Ankündigung eines Vortrages über Maria Theresia, 1906, 16.03.1906

AT-OeStA/AVA, Unterricht-KB, VFb, Ktn. 3, Marianne Hainisch: Schriftverkehr (Persönliches, Artikel, Schriften, Briefe, Festgaben, Widmungen)

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Bittschrift der Präsidentin und Vizepräsidentin des Vereines für erweiterte Frauenbildung an Marie Ebner-Eschenbach, 29.08.1908

AT-OeStA/AVA, Unterricht-KB, VFb, Ktn. 9, Korrespondenz II: Ebner-Eschenbach-Marke

Marie Ebner-Eschenbach wurde ersucht, zugunsten des Schulfonds des Vereines eine Marke mit ihrem Bild anfertigen lassen zu dürfen. Die Schriftstellerin kam dem Wunsch des Vereins für erweiterte Frauenbildung sehr gerne nach.

Marie Ebner-Eschenbach wurde ersucht, zugunsten des Schulfonds des Vereines eine Marke mit ihrem Bild anfertigen lassen zu dürfen. Die Schriftstellerin kam dem Wunsch des Vereins für erweiterte Frauenbildung sehr gerne nach.

Transkription

An Frau Baronin Ebner-Eschenbach

geb. Gräfin Dubsky.

H. Frau Gräfin!

Bevor die Unterzeichneten es wagen im Vertrauen auf Ihre große Güte und Liebenswürdigkeit eine ergebene Bitte vorzutragen, sind sie genötigt Ihre Zeit hochv. Fr. Gr. In Anspruch zu nehmen, indem sie sich als Präsidentin und Vicepräsidentin des Vereines für erweiterte Frauenbildung schriftlich vorstellen. Der Verein für erw. Frb. besteht seit 20 Jahren und hat in den ersten Jahren seines Bestandes das Mädchengymnasium in Wien gegründet, welches seit drei Jahren alle Rechte der Knabengymnasien genießt und gegenwärtig von 300 Schülerinnen besucht wird.

Viele Jahre rastloser Arbeit und schwerer Sorgen liegen hinter uns und wenn wir uns auch jetzt an dem Aufblühen unsrer Anstalt von Herzen freuen können, so sind unsre Sorgen doch nicht ganz geschwunden.

Denn diese vielbesuchte Lehranstalt ist in einem Privathause eingemietet, das nicht den Anforgerungen eines Schulgebäudes vollkommen entspricht. –Hierin und in der stetigen Erweiterung der Schule selbst liegt die dringende Notwendigkeit f. d. Vereinsleitung einen Neubau zu schaffen. Wenn auch seit Jahren durch sorgliche Geldgebarung ein kl. Fonds zur Verfügung steht, so bedarf er doch der Vergrösserung, um den neuesten gesetzlichen Bestimmungen zu genügen.

Wir erlauben uns an die Frau zu denken die der Stolz der gebildeten Frauen Oesterreichs, Ehrendoktor der Wiener Universität ist, welcher unsere Schülerinnen zustreben.

Unsre Bitte geht dahin Sie, hochv. F.G. möchten dem V.f.e.Fr. gestatten, eine Marke mit Ihrem von Prof. Kolom. Moser entworfenen und gestochenen Bilde anfertigen zu lassen u. in Verkauf bringen zu dürfen. Eine solche Marke als Eigentum des Vereines würde demselben zur grösstenEhre gereichen und zugleich eine materielle Unterstützung des Baufonds bedeuten.

Wenn diese Auszeichnung dem Verein wie wir innig wünschen, wirklich zuteil wird, bitten wir Sie, Hv.F.G., Ihr Bild oder einige (derselben) zur Auswahl gütigst direkt an Herrn Professor Moser senden zu wollen.

Hochachtungsvoll in warmer Verehrung zeichnen

E.v.M. [Editha Mautner von Markhof] Präsidentin

G.St. [Gabriele Sturm] Vicepräsidentin

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Akt als Übersicht anzeigen

Marie Ebner-Eschenbach-Marke zugunsten des Schulfonds des Vereins für erweiterte Frauenbildung. Der Entwurf stammt von Koloman Moser, 1908

AT-OeStA/AVA, Unterricht-KB, VFb, Ktn. 9, Korrespondenz II: Ebner-Eschenbach-Marke

Da es offensichtlich an staatlichem Interesse mangelte, Einrichtungen für eine gehobene Mädchenbildung zu schaffen, die den Zugang zur Universität und damit zu qualifizierteren Berufsarten ermöglichen, stellten sich ab 1880 Privatpersonen und auch Stadtgemeinden in den Dienst der Sache und richteten entsprechende Schulen ein. Der 1888 gegründete Verein für erweiterte Frauenbildung konnte mit der Gründung des ersten Gymnasiums für Frauen im deutschen Sprachraum einen entscheidenden Erfolg verbuchen. Die Anfänge dieser privaten "gymnasialen Mädchenschule", die sich vorerst nicht als Gymnasium bezeichnen durfte, waren mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden. So mussten die Schülerinnen bis 1906 die Reifeprüfung an einer Knabenschule ablegen. 1908 traten Editha Mautner von Markhof und Gabriele Sturm im Namen des Vereins für erweiterte Frauenbildung an Marie Ebner von Eschenbach mit der Bitte heran, eine Marke mit deren Bildnis nach einem Entwurf von Koloman Moser anfertigen lassen zu dürfen, um mit dem Erlös ein geräumigeres Schulgebäude finanzieren zu können.

Da es offensichtlich an staatlichem Interesse mangelte, Einrichtungen für eine gehobene Mädchenbildung zu schaffen, die den Zugang zur Universität und damit zu qualifizierteren Berufsarten ermöglichen, stellten sich ab 1880 Privatpersonen und auch Stadtgemeinden in den Dienst der Sache und richteten entsprechende Schulen ein. Der 1888 gegründete Verein für erweiterte Frauenbildung konnte mit der Gründung des ersten Gymnasiums für Frauen im deutschen Sprachraum einen entscheidenden Erfolg verbuchen. Die Anfänge dieser privaten "gymnasialen Mädchenschule", die sich vorerst nicht als Gymnasium bezeichnen durfte, waren mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden. So mussten die Schülerinnen bis 1906 die Reifeprüfung an einer Knabenschule ablegen. 1908 traten Editha Mautner von Markhof und Gabriele Sturm im Namen des Vereins für erweiterte Frauenbildung an Marie Ebner von Eschenbach mit der Bitte heran, eine Marke mit deren Bildnis nach einem Entwurf von Koloman Moser anfertigen lassen zu dürfen, um mit dem Erlös ein geräumigeres Schulgebäude finanzieren zu können.

Abdruck einer Fotografie als Übersicht anzeigen

Marianne Hainisch in ihrem Arbeitszimmer, um 1909, um 1909

AT-OeStA/AVA, Unterricht-KB, VFb, Ktn. 3, Marianne Hainisch: Schriftverkehr (Persönliches, Artikel, Schriften, Briefe, Festgaben, Widmungen). Gedenkschrift "Marianne Hainisch 1839-1909"

Zum 70. Geburtstag wurde Marianne Hainisch vom Bunde österreichischer Frauenvereine eine Festschrift gewidmet in der namhafte Persönlichkeiten wie Bertha von Suttner oder Rosa Mayreder ihre Hochachtung für Marianne Hainisch als beeindruckende Persönlichkeit und Pionierin der Frauenbewegung in Österreich zum Ausdruck brachten.

Zum 70. Geburtstag wurde Marianne Hainisch vom Bunde österreichischer Frauenvereine eine Festschrift gewidmet in der namhafte Persönlichkeiten wie Bertha von Suttner oder Rosa Mayreder ihre Hochachtung für Marianne Hainisch als beeindruckende Persönlichkeit und Pionierin der Frauenbewegung in Österreich zum Ausdruck brachten.

Druck als Übersicht anzeigen

Marianne Hainisch, Illustriertes Wiener Extrablatt, Titelseite"Eine Sitzung des Frauenparlaments in Wien. Die Führerinnen der Frauenbewegung" (Zeichnung), 16. Mai 1911, 16.05.1911

AT-OeStA/AVA, Unterricht-KB, VFb, Ktn. 3, Zeitungsausschnitte von und über Marianne Hainisch

Marianne Hainisch (1839-1936) Begründerin und Führerin der österreichischen Frauenbewegung. Im Jahr 1902 gründete Hainisch den Bund österreichischer Frauenvereine, dessen Vorsitzende sie bis 1918 war. Im Jahr 1909 wurde sie zur Vizepräsidentin des Frauenweltbundes gewählt. Sie war auch Mitglied des Vereins für erweiterte Frauenbildung und arbeitete in der Friedensbewegung mit Bertha von Suttner zusammen.

Marianne Hainisch (1839-1936) Begründerin und Führerin der österreichischen Frauenbewegung. Im Jahr 1902 gründete Hainisch den Bund österreichischer Frauenvereine, dessen Vorsitzende sie bis 1918 war. Im Jahr 1909 wurde sie zur Vizepräsidentin des Frauenweltbundes gewählt. Sie war auch Mitglied des Vereins für erweiterte Frauenbildung und arbeitete in der Friedensbewegung mit Bertha von Suttner zusammen.

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Akt als Übersicht anzeigen

Eugenie Schwarzwald - Oskar Kokoschka als Zeichenlehrer, 13.02.1912

AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 2861, Zl. 6990/1912

Eugenie Schwarzwald konnte an ihr Mädchenlyzeum namhafte Persönlichkeiten als Lehrer verpflichten: Oskar Kokoschka für Zeichnen, Adolf Loos für Architektur, Arnold Schönberg und Egon Wellesz für Musik, Hans Kelsen für Soziologie und Volkswirtschaftslehre sowie Otto Rommel für Literatur. Die Beschäftigung Oskar Kokoschkas im Schuljahr 1911/12 als Zeichenlehrer an ihrer Schule wurde seitens des zuständigen Landesschulrates nicht goutiert und die sofortige Entfernung Kokoschkas von der Anstalt für wünschenswert erachtet.

Eugenie Schwarzwald konnte an ihr Mädchenlyzeum namhafte Persönlichkeiten als Lehrer verpflichten: Oskar Kokoschka für Zeichnen, Adolf Loos für Architektur, Arnold Schönberg und Egon Wellesz für Musik, Hans Kelsen für Soziologie und Volkswirtschaftslehre sowie Otto Rommel für Literatur. Die Beschäftigung Oskar Kokoschkas im Schuljahr 1911/12 als Zeichenlehrer an ihrer Schule wurde seitens des zuständigen Landesschulrates nicht goutiert und die sofortige Entfernung Kokoschkas von der Anstalt für wünschenswert erachtet.

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